erdrosseln

Telekom wird „Drosselkom“ ?! 3


mehr ZeitAus „Telekomiker“ wird „Drosselkom„. 

Erst Mitte April hatte die Telekom ihre beabsichtigte Tarifreform im Bereich der hauseigenen DSL-Produkte vorgestellt, schon war ein neuer „Firmenname“ geboren.
Der Begriff „Drosselkom„, mit dem die Telekom nunmehr betitelt wird, ist bereits in aller Munde. So bringt „Drosselkom“ als Suchbegriff bei google.de  vier Wochen nach Veröffentlichung der beabsichtigten Tarifänderungen bereits deutlich mehr als 300.000 Treffer.

Aber was steckt dahinter?

Die Telekom beabsichtigt unter dem Slogan „Netz der Zukunft„, die bereitgestellte Verbindungsgeschwindigkeit der DSL-Anschlüsse bei Erreichen eines bestimmten genutzten Datenvolumens rapide zu drosseln. Danach müssen kostenpflichtige Zusatzoptionen hinzugebucht werden, will man mit gewohnter Geschwindigkeit weiter surfen.

Diese Maßnahme wird seitens der Telekom mit den enormen Investitionen begründet, die die Telekom zum Ausbau des Datennetzes tätigen muss. Dabei geht die Telekom davon aus, dass sich das Datenvolumen im Internet bis 2016 vervierfachen wird. Ein zuverlässiges und leistungsstarkes Internet sei nur mit einem enormen und entsprechend kostenintensiven Netzausbau zu erhalten.

Dabei stellt die Telekom den Vergleich mit dem zunehmendem Kraftfahrzeugverkehr an, welcher ebenfalls den Ausbau des entsprechenden Straßennetzes erforderlich mache.

Die Telekom rechnet dabei mit einem

Investitionsaufwand von ca. 6 Milliarden Euro.

Jedoch beschwichtigt die Telekom: Die Volumenbegrenzungen gälten nur für Neuverträge, die ab dem 2. Mai 2013 abgeschlossen werden. Weiterhin sei die technische Umsetzung der Geschwindigkeitsreduzierung erst ab 2016 möglich. Auch seien die nutzbaren inklusiven Datenvolumen für einen „Normalnutzer“ großzügig bemessen, so dass diese Nutzergruppe kaum eine Drosselung der Geschwindigkeit erfahren dürfte.

Außerdem sei beim mobilen Internet, bei LTE und beim Internet über Kabel eine solche Drosselung schon immer Standard gewesen.

Netz der Zukunft

Dabei gibt die Telekom folgende Grenzen für ihre  Call & Surf- und Entertain-Verträge an:

vertraglich vereinbarte Verbindungsgeschwindigkeit tatsächlich nutzbares Datenvolumen im Monat bis zur beabsichtigten Drosselung der Verbindungsgeschwindigkeit nutzbare Geschwindigkeit nach der Drosselung
bis zu 200 MBit/s 400 GB 384 kBit/s
(= 0,375 MBis/s)
bis zu 100 MBit/s 300 GB 384 kBit/s
(= 0,375 MBis/s)
bis zu 50 MBit/s 200 GB 384 kBit/s
(= 0,375 MBis/s)
bis zu 16 MBit/s 75 GB 384 kBit/s
(= 0,375 MBis/s)
Achtung:
Am 13.06.2013 teilte die Telekom mit, die Verbindungsgeschwindigkeit „nur noch“ auf 2MBit/s drosseln zu wollen!Weitere Infos!

Was dies bedeutet / bedeuten könnte:

In Bezug auf das Beispiel mit dem Straßenverkehr befährt man die Autobahn nach der Geschwindigkeitsdrosselung nicht mehr mit 180 km/h sondern mit etwas mehr als 500 m/h. Jedoch dürfte das Internet nach dieser erheblichen Drosselung der Verbindungsgeschwindigkeit auf sagenhafte 384 kBits/s kaum noch sinnvoll genutzt werden können. Dies noch als Flatrate zu bezeichnen, ist – gelinde ausgedrückt – äußerst kreativ, oder? Wer diese Drosselung durch Hinzubuchung einer entsprechenden Option aufheben will, muss mit Kosten von bis zu 20,- Euro im Monat rechnen.

Twitter

Für Verärgerung sorgt auch, dass die Telekom über den Weg der Volumenbegrenzung augenscheinlich massiv gegen Konkurrenten vorgeht. So werden die für das telekomeigene Internetfernsehen Entertain anfallenden Datenmengen nach derzeitigen Erkenntnissen nicht auf das zur Verfügung stehende Datenvolumen angerechnet, die Datenmengen für die Nutzung ähnlicher Dienste der Konkurrenz (beispielsweise Maxdome, WatchEver, Zattoo, Youtube, Onlineradios, VoIP,…) voraussichtlich aber sehr wohl. So scheint die Telekom ihre Marktmacht als Diensteanbieter und DSL-Provider missbrauchen zu wollen, um den DSL-Nutzern ihre eigenen Produkte aufzudrängen. Andere Anbieter, wie Maxdome etc., werden wohl Datenverträge mit der Telekom abschließen müssen, um ihre Nutzer vor weiteren Kosten zu bewahren. Leider wird dies auch bedeuten, dass datenintensive Dienste vom Markt verschwinden oder gar nicht erst entstehen werden.

Auch hat sich herausgestellt, dass auch die Bestandskunden der Telekom bei einem Tarifwechsel, ggf auch bei einer Vertragsverlängerung über die Ursprungslaufzeit hinweg, von den negativen Folgen der neuen Tarife betroffen sein werden.

Wer jetzt vielleicht denken mag, dass Freivolumen gar nicht ausschöpfen zu können, der irrt. Fachleute (auch innerhalb der Telekom) gehen davon aus, dass sich das Datenvolumen jedes einzelnen bis 2016 vervierfachen wird (s.o.). Somit dürften nur die wenigsten Nutzer tatsächlich nicht von der Beschränkung des Inclusivevolumens betroffen sein. Somit ist jeder – auch Du – von dieser Einschränkung betroffen.

Schon wird der Verlust der Netzneutralität befürchtet, dass eben nicht mehr alle Datenpakete gleichwertig transportiert werden, egal aus welcher Quelle sie stammen oder welchem Zweck sie dienen.

Und dabei plant derzeit nur die Telekom, eine solche Freivolumengrenze einzurichten. Was wird wohl werden, wenn andere Provider nachziehen? Das Ende unseres Internetzes in der derzeitigen freien Form wird befürchtet.

Was seitdem geschehen ist:

Natürlich hat die Veröffentlichung der zukünftigen Tarifstrukturen seitens der Telekom für einen erheblichen Wirbel und für deutliche Verärgerung innerhalb der Internetgemeinde und auch darüber hinaus gesorgt.

Über die Telekom und deren Internetpräsenzen hat sich ein nicht unerheblicher shitstorm entladen. Das Ansehen der Telekom dürfte deutlich gelitten haben.

Drosselkom

Dabei zeigt sich die Empörung über zahlreiche Wege in vielfältigen, teils auch sehr kreativen Arten und Weisen.

Drosselkom

So finden sich auf Twitter unter @drosselkom zahlreiche, teils lustige Anmerkungen zum Thema.

Drosselkom

Unter dem Motto „Satire im echten Internet von 1996“ wurden bereits mehr als 340 Tweets verfasst, denen mehr als 8400 Personen folgen.

FB Drosselkom

Natürlich ist ähnliches auch auf Facebook zu beobachten. Wer dort den Account „drosselkom“ (mit ca. 540 Likes) besucht, findet ebenfalls zahlreiche, teils sehr kreative Beiträge.

Drosselkom-hilftEine weitere Facebookseite zu diesem Thema trägt den Namen „Drosselkom-hilft„, die man natürlich auch auf Twitter wiederfindet.

T-Remixer

Zahlreiche Internetnutzer erstellen – in Anlehnung an die befürchtete Drosselung – ganz eigene „Telekom-Werbeanzeigen„.

Unter http://hilf-telekom.de/ findet sich der T-Remixer, mit dem sich solche Anzeigen ganz schnell und einfach selbst gestalten lassen.

Video

Mittlerweile hat auch die erste virtuelle Hauptversammlung der Drosselkom stattgefunden. Anlässlich der #rp13 haben sich dort verschiedenste Besucher zu einer virtuellen Hauptversammlung vereinigt, indem Sie in kleinen Videobeiträgen ihre Meinung zu den neuen Tarifen der Telekom und den möglicherweise daraus erwachsenen Gefahren für das freie und neutrale Internet äußern. Wer sich über die Inhalte dieser „Hauptversammlung“ informieren möchte, kann sich diese Videos auf Youtube ansehen:

http://www.youtube.com/user/DrosselkomReden

Neben diesem eher heiteren Protest finden sich aber auch viele Überlegungen und Befürchtungen im Netz. So wird befürchtet, dass dies erst der Anfang der Internet -Beschränkungen ist, dass auch andere Anbieter nachziehen könnten und dass es das freie und für jeden nutzbare Internet in der BRD bald so nicht mehr existieren wird.

Verbraucherzentrale

Diesen Befürchtungen hat sich auch die Verbraucherzentrale NRW angeschlossen. So hat sie die Telekom jetzt per Abmahnung aufgefordert, die seit dem 2. Mai 2013 geltenden Klauseln wieder aus ihren DSL-Verträgen zu streichen. Sollte die Telekom bis zum 16. Mai 2013 nicht wie gefordert reagieren, könnte es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen.

Auch die Bundesnetzagentur kritisiert das Vorgehen der Telekom und fordert eine größere Transparenz. Gleichzeitig wird aber auch betont, dass jedes Unternehmen seine Preise frei gestalten möchte und auch darf. Für die Internetnutzer stellt die Bundesnetzagentur unter http://www.initiative-netzqualitaet.de ein Tool bereit, mit dem sich die Qualität der Internetverbindung prüfen lässt.

erdrosselnVerschiedene Organisationen und Vereine, Privatpersonen und sonstige Interessengruppen haben das „Bündnis für Netzneutralität und gegen digitale Diskriminierung“ gegründet.

Unter den Mitgliedern und Unterstützern finden sich namhafte Institutionen, wie der Chaos Computer Club (Düsseldorf und Bund), Netzpolitik.org und auch die Piratenpartei.

Dieses Bündnis ruft zur Teilnahme an einer Demonstration am 16.05.2013 vor dem Veranstaltungsort der Aktionärsversammlung der Deutschen Telekom auf. Im Rahmen dieser Demonstration, die bereits um 08:00 Uhr durch eine Mahnwache eingeleitet werden soll, gehe es insbesondere darum, die Netzneutralität zu schützen und die Telekom dazu zu bewegen, von ihrer neuen Tarifstruktur wieder Abstand zu nehmen.

Weitere Informationen über diese geplante Demonstration findest Du unter

http://bda.protestwiki.de/wiki/Drosselkom

und auf Facebook unter


Was kannst Du tun?

Natürlich kannst Du Deine Meinung über Facebook, Twitter und Co frei äußern und Dich so an diesem Protest beteiligen.
Auch kannst Du an der genannten Demonstration teilnehmen.

Petition

Eine weitere Möglichkeit ist, dass Du die entsprechende Onlinepetition unterzeichnest. Diese findest Du unter http://www.change.org/drosselkom. Bisher haben bereits über 175.000 Menschen diese Petition unterstützt. Weitere Informationen über diese Petition bekommst Du im entsprechenden Petitionsblog unter http://drosselkom.tumblr.com/.

Frage bei Deinem DSL-Anbieter nach, ob dort ähnliche Tarifstrukturen geplant sind. Überlege Dir genau, an welchen Anbieter Du Dich zukünftig binden möchtest.

Aber das Wichtigste wird wohl sein: Informiere Dich! Lies die AGB, bevor Du einen Vertrag abschließt. In Zukunft wird sich der Markt und die Angebote deutlich verändern. Zukünftig wird man nicht nur auf die Übertragungsgeschwindigkeit, sondern auch auf das Freivolumen achten müssen (neben den sonstigen Zusatzleistungen, Preise, technische Ausstattung…). Ein Hoch auf diejenigen, die da noch den Durchblick behalten. Viel Glück!


InfoAndere Internetprovider?

Was die bekanntesten Internetprovider selbst zum Thema „Drosselung“ sagen, kannst Du hier auf kostnix-web.de unter „Welcher Internetprovider drosselt die Verbindungs-geschwindigkeit? Hier ist das Ergebnis!„. Dazu hatte Nixi zahlreiche Provider angeschrieben und um Auskunft gebeten.


Und sonst:

Wenn Du einmal am eigenen Computer erleben möchtest, was es bedeutet, mit 384kBit/s im Internet „unterwegs“ zu sein, kann es unter folgendem Link einmal ausprobieren:

http://www.chip.de/news/Telekom-Simulator-So-surft-man-mit-384-KBit_s_61693733.html


drossl

Was Du mit dem zur Verfügung stehenden Freivolumen tatsächlich anfangen kannst, erfährst Du auf http://www.drossl.de/.


Nachtrag:

Auf Chriz Blog bin ich auf eine Blogparade zu diesem Thema gestoßen. Hier soll das eigene Verhalten in Bezug auf die beschriebene Tarifumstellung der Telekom auch anhand von diesen Fragen beleuchtet werden:

Was für ein Internet-Paket hast du aktuell? Wie zufrieden bist du damit? Erreichst du auch die Leistung?

Nun, wir haben ein DSl-Vertrag mit „bis zu 50.000 MBit/s“. Tatsächlich liegt die  mit unserem Test gemessene Geschwindigkeit so um die 35.000 (10.000). Da die Geschwindigkeit relativ konstant ist, wir keinerlei Störungen oder gar Verbindungsabbrüche haben, sind wir sehr zufrieden.

Wie ist dein Netzverhalten? Welche Dienste nutzt du? Was verursacht bei dir viel Traffic? Wie viel Gigabyte verbrauchst du im Monat?

Nun, wir sind im Internet sehr aktiv und nutzen dabei verschiedenste Dienste, wie VoIP, Videostreaming bei verschiedenen Anbietern … Dabei liegen wir derzeit bei ca. 30GB / Monat. Sollte sich also auch unser Datenvolumen bis 2016 vervierfachen, …

Wie stehst du zum Thema Telekom und Drosselung? Findest du es ist ein richtiger Schritt und fair?

Jedenfalls bin ich mit der Art und Weise (Volumengrenzen, „Restgeschwindigkeit“, Umgang mit Konkurrenzdiensten) und der Informationspolitik seitens der Telekom nicht einverstanden.

Auch finde ich, dass die Netzneutralität ungemein wichtig und schützenswert ist.

Darum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht etwas Besseres findet!


Nachtrag:

Der Protest gegen die Telekom zeigt erste Wirkungen… (weitere Infos)



Infos zum Copyright Artikel ausdrucken Fanseite von kostnix-web.de suchen Artikel mailen nach oben


Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 + 9 =

3 Gedanken zu “Telekom wird „Drosselkom“ ?!